Das Denkmal
Die Figur des jungen Wagner
Das Denkmal nach dem Entwurf von Stephan Balkenhol stellt den jungen Wagner in einer ungewohnt alltäglichen Pose dar. Mit einem geöffneten blauen Jackett gekleidet, den Arm leicht in die Seite gestützt schaut er selbstbewußt in die Ferne. Der fehlende Pathos verleiht dem jugendlichen Komponisten Menschlichkeit. Es macht ihn zu einer Person wie du und ich. Die gewählte Ausdrucksform nimmt die Leipziger Lebensetappe ernst. Als Mensch, noch unverklärt durch Ruhm und Anerkennung, steht Wagner am Anfang seiner Komponistenlaufbahn.
Die Silhouette im Hintergrund
Dahinter baut sich eine 4m hohe, dunkel gehaltene Silhouette auf, die dem Denkmal eine raffinierte Vieldeutigkeit verleiht. Es symbolisiert zum einen das großartige musikalische Werk, durch das der Mensch Wagner über sich hinauswächst. Des weiteren gibt es dem hohen Anspruch des jungen Wagner Ausdruck, der übergroß, fasst bedrohlich sein ehrgeiziges und unermüdliches Schaffen antreibt. Über dies beschreibt die im Vergleich zur Wagner-Figur andersgestaltige Silhouette, dass die Wirkungsgeschichte und die Interpretation des Werkes unabhängig vom Schöpfer geschieht. Nicht zuletzt spielt die Form der Silhouette auf den vergeblichen Versuch des Leipziger Bildhauers Max Klinger (1857-1920) an, ein Leipziger Wagner-Denkmal zu schaffen. Damit ist auch die über hundert Jahre dauernde, nicht einfache Wagner-Denkmalgeschichte Leipzigs aufgenommen.
Das Spannungsfeld Wagner-Figur - Silhouette - Klinger-Sockel
Das Spannungsfeld, das sich zwischen menschlich gehaltener Wagner-Figur im Vordergrund und übergroßer Silhouette im Hintergrund aufbaut, widerspiegelt die Polarität des Wagner-Bildes. Unsere Faszination über das geniale Werk oszilliert mit dem von Höhen und Tiefen begleiteten menschlichen Wesen Wagners. Gesteigert durch den Formkontrast zwischen Balkenhol-Wagner und Jugendstilsockel Max Klingers, wird der Widerstreit von unkonventioneller und traditioneller Wagner-Auffassung als Triebkraft konstruktiver Auseinandersetzung noch einmal angefacht.
Ein Ehrenmal, das zur Auseinandersetzung einlädt
Balkenhols Entwurf bringt den Komponisten Richard Wagner als Sohn der Stadt Leipzig auf besondere Weise ins Bewusstsein. Das Denkmal lädt zur Auseinandersetzung mit Werk und Schaffen Wagners ein und würdigt dabei die herausragende Bedeutung des außergewöhnlichen Tonsetzers, dessen Wirkung bis in unsere Tage ungebrochen ist.